Exklusivinterview der IHK Schwaben mit Herrn Qiu Xuejun, Generalkonsul der VR China in München
2025/04/29

Dies ist das Originalinterview mit Generalkonsul Xuejun Qiu, das Sie nur in der digitalen Ausgabe der IHK-Zeitschrift lesen können.

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Herzlich willkommen in Bayern als neuer Generalkonsul der Volksrepublik China. Welche Eindrücke haben Sie von Bayern?

Xuejun Qiu: Bayern blickt auf eine lange und erfolgreiche Geschichte der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit China zurück und gilt als Vorreiter für die wirtschaftliche Kooperation und die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Regionen. Seit dem Besuch des ehemaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß im Jahr 1975 pflegen Bayern und China enge Kontakte und vertiefen kontinuierlich ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Innovation. Damit spielt der Freistaat eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der deutsch-chinesischen Beziehungen.  

Mein eindrucksvollstes Bild von Bayern ist die pragmatische und sachliche Politik der Staatsregierung gegenüber China sowie die große Begeisterung und Offenheit aller gesellschaftlichen Akteure für den Austausch und die Kooperation mit China. Seit meinem Amtsantritt im November 2024 habe ich in meinen Begegnungen mit verschiedenen Vertretern der Region die tiefe historische Verankerung der bayerisch-chinesischen Freundschaft erlebt. Ich habe persönlich miterlebt, wie unsere Zusammenarbeit immer neue Erfolge erzielt und gespürt, welch einzigartigen Beitrag die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Bayern und China und die Verbundenheit unserer Menschen zur Entwicklung der deutsch-chinesischen Beziehungen leisten.

Welche Erwartungen hat China an die neue Bundesregierung in Bezug auf die bilateralen Beziehungen? Sollte Deutschland in seiner Chinapolitik näher an die USA rücken oder eine eigenständige Strategie verfolgen?

Xuejun Qiu: Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen vor 53 Jahren betrachtet China die deutsch-chinesischen Beziehungen stets aus einer strategischen und langfristigen Perspektive. Dabei verfolgt China die Grundsätze des gegenseitigen Respekts, der Gleichberechtigung, des gegenseitigen Nutzens sowie der Suche nach gemeinsamem Grund bei Differenzen. .  

China ist bereit, gemeinsam mit der neuen Bundesregierung die umfassende strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern weiter zu festigen und auszubauen. Dabei soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit als „Stabilisator“ – das stabile Fundament unserer bilateralen Beziehungen – gestärkt werden, um eine stabile, nachhaltige und zukunftssichere Entwicklung der deutsch-chinesischen Beziehungen zu gewährleisten.

Deutschland und die EU spielen eine globale Rolle, und China begrüßt es, dass sie in internationalen Angelegenheiten eine wichtige Funktion übernehmen. China unterstützt die europäische Integration sowie die strategische Autonomie der EU und ist bereit, gemeinsam mit Deutschland und Europa weiterhin einen Beitrag zu Frieden und Wohlstand in der Welt zu leisten.

Wie schätzen Sie ein, inwieweit der geopolitische Wettbewerb zwischen China und den USA die deutschen Unternehmen, insbesondere die Exportchancen für bayerisch-schwäbische Unternehmen, beeinflusst?

Xuejun Qiu: China hat wiederholt betont, dass Handelskriege und Zollerhöhungen keine Gewinner kennen, sondern nur die globale Wirtschaft und die Interessen der Völker aller Länder schädigen. Die Ankündigung der USA, unter verschiedenen Vorwänden wahllos Zölle gegen alle Handelspartner, einschließlich China und der EU, zu verhängen, ist eine schwere Verletzung der legitimen Rechte und Interessen aller Länder, ein schwerer Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation, eine schwere Verletzung des regelbasierten multilateralen Handelssystems, eine schwere Gefährdung der Stabilität der WTO und wird unweigerlich negative Auswirkungen auf die bayerischen Exportunternehmen haben. Die chinesische Regierung verurteilt dies aufs Schärfste, lehnt es entschieden ab, und ist bereit, gemeinsam mit Deutschland und der EU die strategische Kommunikation zu intensivieren, die Kooperation zu stärken, den Multilateralismus zu verteidigen und sich gemeinsam globalen Herausforderungen zu stellen. Nur so können wir in dieser unruhigen Zeit mehr Stabilität und Berechenbarkeit für die Welt schaffen.

Gibt es derzeit Handelshemmnisse in China speziell für mittelständische Exporteure aus Deutschland?  Wie gestalten sich die Rahmenbedingungen für deutsche Investitionen in China? Welche neuen staatlichen Unterstützungsprogramme oder Marktöffnungskonzepte Chinas können diese Unternehmen nutzen?

Xuejun Qiu: China setzt sich konsequent für freien Handel ein, unterstützt nachdrücklich das multilaterale Handelssystem und lehnt Unilateralismus sowie Handelsprotektionismus entschieden ab. Es gibt keine Gesetze oder Maßnahmen, die gegen internationale Handelsregeln verstoßen oder ausländische Unternehmen durch Handelsbarrieren benachteiligen.  

Gleichzeitig optimieren wir kontinuierlich die Rahmenbedingungen für ausländische Investitionen in China und engagieren uns für ein faires, gerechtes und nicht-diskriminierendes Geschäftsumfeld für Unternehmen aus aller Welt. Mittlerweile wurden sämtliche Marktzugangsbeschränkungen für ausländische Investoren in der verarbeitenden Industrie vollständig aufgehoben. Zudem wird die Öffnung des Dienstleistungs- und Industriesektors weiter vorangetrieben, insbesondere in den Bereichen Finanzwesen, Automobilbau, Schiffbau und Luftfahrt.  

Die Dritte Plenarsitzung des 20. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 2024 und der Nationale Volkskongress im Jahr 2025 haben eine Reihe weitreichender Reformmaßnahmen beschlossen, die den Handel mit und Investitionen in China für deutsche Unternehmen weiter erleichtern werden. Vor Kurzem hat sich der chinesische Staatspräsident Xi Jinping in Beijing mit Vertretern von internationalen Industriellen und Kaufleuten getroffen. Mehrere große Unternehmensvertreter aus dem Freistaat Bayern wurden zu diesem Treffen eingeladen. Die Teilnehmer betonten, dass die wirtschaftliche Zukunft Chinas vielversprechend sei und die großen Chancen und Wachstumspotenziale beeindruckend seien. Sie erklärten, dass sie den Modernisierungsprozess chinesischer Prägung entschlossen und aktiv mitgestalten werden.

Gerade für Unternehmen aus Bayerisch-Schwaben und ganz Deutschland empfehle ich die Teilnahme an großen Handels- und Investitionsmessen wie der China International Import Expo (CIIE), der Canton Fair, der China International Fair for Investment & Trade (CIFIT) oder der China International Supply Chain Expo (CISCE). Diese Messen bieten hervorragende Möglichkeiten, globale Kooperationschancen in China zu entdecken und das Potenzial des Investitionsstandorts China aus erster Hand zu erleben.

Wie sehen Sie insbesondere die Perspektiven für die wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit zwischen Bayern und China? In welchen Branchen gibt es aktuell die größten Wachstumschancen für bayerisch-schwäbische Unternehmen auf dem chinesischen Markt?

Xuejun Qiu: In den letzten Jahren hat die Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit zwischen China und Bayern deutschlandweit als Vorbild gedient. Beide Seiten haben in den Bereichen Automobil, Maschinenbau, Pharma-Chemie und Informationstechnologie eine solide Kooperationsbasis aufgebaut und arbeiten zudem in den zukunftsträchtigen Feldern wie der grünen Energie und der digitalen Wirtschaft intensiv zusammen – mit beeindruckenden Ergebnissen.

Mit Blick auf die Zukunft erscheinen die Perspektiven der Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit zwischen China und Bayern äußerst vielversprechend. Erstens hat die Praxis der chinesischen Modernisierung zwei Wunder geschaffen: das rasante Wirtschaftswachstum und die langfristige soziale Stabilität. Sie wird weiterhin zur weltweiten Modernisierung und globalen Entwicklung mit chinesischer Weisheit und Kraft beitragen. Zweitens beschleunigt China derzeit den Aufbau eines neuen Entwicklungsmodells und erweitert seine hochgradige Öffnung, was bayerischen Unternehmen neue Marktchancen eröffnet. Drittens öffnet Chinas dynamische Entwicklung in Schlüsselbereichen wie Digitalwirtschaft, Green Tech und intelligenter Fertigung neue Kooperationsfelder. Bayerns technologische Führungsposition in erneuerbaren Energien und Life Sciences trifft dabei ideal auf chinesischen Innovationsbedarf und Marktpotenzial und führt zu einer Win-Win-Situation.

Ich bin überzeugt: Durch die Vertiefung bestehender Partnerschaften und die Erschließung zukunftsträchtiger Sektoren können wir die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen auf ein neues Niveau heben – zum Wohle beider Völker.