Offener Brief an die Redaktion der Süddeutschen Zeitung von dem Pressesprecher des Generalkonsulates der VR China in München
2026/05/19

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kollege von der Süddeutschen Zeitung,


in Ihrer Onlineausgabe vom 15. Mai 2026 haben Sie einen Artikel über die sogenannte Kampagne "Flagge zeigen für Tibet!" in einigen Gemeinden und Kommunen Bayerns veröffentlicht. In dem Artikel wurde erwähnt, dass Herr Qiu Xuejun, Generalkonsul der Volksrepublik China in München, zu bestimmten Punkten bezüglich von dieser Flaggenhissung keine Stellung genommen habe. 

Tatsächlich unterhalten das Generalkonsulat der Volksrepublik China in München und Generalkonsul Qiu Xuejun persönlich gute Arbeitsbeziehungen zu den Medien in ihrem Konsularbezirk Bayern und sind stets bereit, mit allen lokalen Medien, einschließlich der Süddeutschen Zeitung, in Verbindung zu stehen, Informationen auszutauschen sowie Vertrauen zu stärken und Missverständnisse auszuräumen.

Zu den in dem Artikel angesprochenen Angelegenheiten möchten wir gerne entsprechende Fakten in drei Aspekten darlegen und den Standpunkt Chinas erläutern.


1. 

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) wurde 1921 gegründet und ist heute die größte regierende Partei der Welt. 

Ursprünglicher Auftrag und beständige Mission der KPCh sind es, dem chinesischen Volk ein glückliches Leben zu ermöglichen und die große Wiederbelebung der chinesischen Nation zu verwirklichen. Die Partei handelt uneigennützig zum Wohle des Volkes, entwickelt die Volksdemokratie im gesamten Prozess, setzt die Politik der Religionsfreiheit um, hält am System der regionalen Autonomie der ethnischen Minderheiten fest, fördert den Schutz und die Weitergabe der Sprachen und Schriften aller ethnischen Minderheiten, schützt deren Kultur, entwickelt die Wirtschaft und die sozialen Angelegenheiten in den Regionen der ethnischen Minderheiten, fördert den Austausch und die Integration aller ethnischen Gruppen und schmiedet ein starkes Gefühl der Gemeinschaft der chinesischen Nation.

Als der leitende Kern für den Sozialismus chinesischer Prägung hat die KPCh, getreu dem grundlegenden Prinzip des uneingeschränkten Dienens für das Volk, die chinesische Nation zu einem großen Aufschwung geführt – vom Aufstehen über das Reichwerden bis zum Starkwerden.


2. 

Xizang (西藏,Tibet) wurde seit dem 13. Jahrhundert formell in das chinesische Staatsgebiet integriert und ist ein untrennbarer Teil des chinesischen Hoheitsgebiets. Bis in die 1950er Jahre hinein herrschte im alten Xizang die feudale Leibeigenschaft, eines der dunkelsten und grausamsten Ausbeutungssysteme der Menschheitsgeschichte. Weniger als fünf Prozent der Gesamtbevölkerung in Xizang, die drei großen Grundherren – Beamte, Adlige und hochrangige Mönche – besaßen sämtliche Produktionsmittel wie Land, Weideland und Wälder. Sie führten ein luxuriöses Leben, das auf extrem grausamer politischer Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeutung beruhte, während über 95 Prozent der Bevölkerung, die leibeigenen Bauern, ein erbärmliches Leben führten ohne jegliche Menschenrechte. Im Gesetzbuch des alten Xizangs wurde festgelegt, die Menschen in „drei Klassen und neun Stufen“ einzuteilen, wobei jedes Leben einen unterschiedlichen Wert hatte. Das Leben von Menschen aus niederen sozialen Schichten wie Schmieden und Metzgern war sogar nicht mehr wert als ein Strohseil. 1951 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in Xizang weniger als 36 Jahre.

1965 wurden in Xizang demokratische Reformen durchgeführt. Millionen leibeigene Bauern wurden befreit. Unter der Leitung der KPCh und mit der tatkräftigen Unterstützung aller ethnischen Gruppen Chinas sowie durch den fleißigen Aufbau des befreiten Volkes in Xizang hat Xizang einen allumfassenden und historischen Fortschritt in seinen Menschenrechtsangelegenheiten erzielt. Xizang hat die absolute Armut historisch überwunden. Die Wohnsicherheit der Bauern und Hirten ist umfassend gewährleistet, das Wohlergehen der Bevölkerung hat sich erheblich verbessert. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Xizang beträgt heute 72,5 Jahre. Das System der regionalen Autonomie der ethnischen Minderheiten wird umfassend umgesetzt. Beamte von ethnischen Minderheiten bilden das Rückgrat der Verwaltung Tibets. Das Recht der Menschen aller ethnischen Gruppen, Herr ihres eigenen Landes zu sein, wird umfassend und real gewährleistet.

Die tibetische Sprache und der tibetische Schrift sowie die herausragende traditionelle Kultur der ethnischen Minderheiten in Xizang werden effektiv geschützt und weitergegeben. Die Religionsfreiheit wird gesetzlich geschützt, und öffentliche Kulturleistungen kommen allen Haushalten zugute. Alle Offiziellen Dokumente des Autonomen Gebiets Xizang werden zweisprachig auf Tibetisch und Chinesisch herausgegeben. Die tibetische Sprache und  der tibetische Schrift finden in beispiellosem Umfang Verbreitung und Anwendung in Bereichen wie Bildung, Nachrichten, Verlagswesen und Internet. Religiöse Aktivitäten in den Chörten des tibetischen Buddhismus sowie über tausend religiöse und folkloristische Feste wie das Shoton-Fest und das Laternenfest (Galdan Namchot) werden umfassend geschützt, und ihre Tradition wird fortgeführt.

Xizang setzt Prioritäten auf Umweltschutz. 36 Prozent der Landesfläche des autonomen Gebiets sind jetzt ökologische Schutzgebiete. Die Rate der Jahrestage mit guter Luftqualität übersteigt 99 Prozent, und die ökologischen Rechte der Bevölkerung sind umfassend geschützt.

 

3. 

Einige wenige Nichtregierungsorganisationen im Ausland unterstützen, unter dem Deckmantel der Unterstützung des „Selbstbestimmungsrechts der Völker in Xizang“, die „Unabhängigkeit Tibets“ und verfolgen das Ziel, Xizang von China abzuspalten. Das Eingreifen externer Kräfte in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates unter dem Namen des „Selbstbestimmungsrechts der Völker“ verstößt gegen das Völkerrecht. Diese einzelnen Organisationen geben auch an, Verbindungen zur sogenannten „tibetischen Exilregierung“ zu unterhalten, die jedoch illegal ist und von keinem Land der Welt anerkannt wird.

Tatsächlich würde keine Regierung der Welt zulassen, dass sich ein Teil ihres Hoheitsgebiets abspaltet. Die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität ist grundlegender Grundsatz des Völkerrechts. Gegenseitiger Respekt der Souveränität und territorialen Integrität ist die politische Voraussetzung und Grundlage für die Aufrechterhaltung und Entwicklung diplomatischer Beziehungen zwischen China und anderen Ländern. Handlungen jeder Regierungsebene, Organisation oder Institution in einem Land, die die Souveränität und territoriale Integrität eines anderen Landes beeinträchtigen, schaden in unterschiedlichem Maße den Beziehungen zwischen beiden Ländern, untergraben die politische Grundlage für einen normalen Austausch und beeinträchtigen gegenseitiges Vertrauen und Zusammenarbeit.


Im Jahr 1990, als Deutschland ihre nationale Einheit anstrebte, unterstützte China als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats die deutsche Wiedervereinigung bedingungslos. Wir hoffen ebenfalls, dass die lokalen Regierungen und die lokale Gesellschaft in unserem Konsularbezirk die Einheit, Souveränität und territoriale Integrität Chinas achten und unterstützen. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den Austausch der lokalen Gesellschaft mit China zu allen Themen von beiderseitigem Interesse. Die Türen des chinesischen Generalkonsulats stehen der lokalen Gesellschaft jederzeit offen.

China und Deutschland haben unterschiedliche Gesellschaftssysteme, Ideologien sowie historische und kulturelle Traditionen. Es ist selbstverständlich, dass beide Seiten unterschiedliche Ansichten zu einigen Fragen haben. Unterschiede sind jedoch kein Hindernis, sondern vielmehr ein Antrieb, die Kommunikation zu verstärken und die Zusammenarbeit auszubauen. Für die chinesische Seite ist es auch selbstverständlich, falschen Informationen und verleumderischen Unwahrheiten in Zusammenhang mit China zu widerlegen mit dem Ziel, Klarheit zu schaffen.

Gleichberechtigter Austausch und wechselseitige Wertschätzung sind der richtige Weg für den Umgang miteinander. „Durch Austausch werden die Zivilisationen farbenfroh, durch wechselseitige Wertschätzung werden sie reich.“ Konfuzius sagte: „Der Edle ist harmonisch, aber nicht gleichförmig.“ Die chinesische Seite ist unter der Prämisse gegenseitigen Respekts bereit, mit allen Kreisen vor Ort auf gleicher Augenhöhe zu kommunizieren, Gemeinsamkeiten zu suchen, Unterschiede beiseitezulassen, Vertrauen zu stärken und Missverständnisse auszuräumen. Beide Seiten können in ihren Unterschieden einen größtmöglichen Konsens finden und die gesunde und stabile Entwicklung der bilateralen Beziehungen voranbringen.

 

Dies ist der Brief an die Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Wir hoffen, dass Sie ihn in Ihrer Print- oder Online-Ausgabe vollständig veröffentlichen werden.


Mit freundlichen Grüßen


Der Pressesprecher des Generalkonsulates der Volksrepublik China in München

den 17. Mai 2026